Faszinierende Tantra-Philosopie und Geschichte
1. Lucian Loosen über die Bedeutung des Tantra |
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| 1. Lucian Loosen über die Bedeutung des Tantra | |||||||||||||||||||||||||||||||||
Das Wort Tantra entstammt dem altindischen Sanskrit und heißt wörtlich: "Gewebe, Zusammenhang, Kontinuum". Du findest im Wörterbuch auch "Tantra": 1. Webstuhl, Webkette, Gewebe; 2. Grundlage, Norm, Regel; 3. Lehrbuch, Lehre; 4. Literaturgattung magisch-mystischen Inhalts; 5. Zauberformel; 6. Mittel, Trick; 7. Arzneimittel; 8. Autorität; 9. Saite. Das Sanskritverb "tan" heißt ausbreiten, ausdehnen, das Suffix "tra" bedeutet, daß etwas für eine andere Sache gut geeignet ist. So ist ein Mantra (man: denken) gut für das Denken, ein Yantra (yan: halten) gut zur Stütze, Tantra ist also etwas, das die Ausdehnung fördert, und zwar die Ausdehnung des feinstofflichen Körpers; es meint aber gleichzeitig, diese Ausdehnung selbst, und obendrein bezeichnet es auch ihre Wirkung. Was ist Tantra? a) Die Philosophie Das Tantra ist ein ganzheitlicher Weg zur Verwirklichung Höchster Liebe. Das Tantra ist ein Übungsweg mit einer breitgefächerten Vielzahl an Methoden, Techniken und Ritualen. Das Ziel ist die höchste menschliche Verwirklichung. Darunter ist ein Zustand größtmöglicher Erfüllung und Befriedigung zu verstehen. Das ist eins mit dem, was im Osten Erleuchtung, Nirvana oder Samadhi, d. h. absolute Verwirklichung genannt wird. Es geht um das Bewußtsein, in dem der Mensch in tiefstem Frieden ist und höchster Glückseligkeit zugleich. Das ist Ekstase, das höchste Entzückt- und Verzückt-Sein. Es ist ein Zustand, wo alle menschliche Sehnsucht gestillt und jeglicher Kampf und Schmerz beendet ist. Damit hat die Tantrikerin/der Tantriker die ganze Schöpfung verstanden. Sie/Er ist eins damit, die Trennung und Abspaltung ist beendet. Sie/Er schwingt vollkommen und im Strom des Einverstanden-Seins. Es gibt nichts Schöneres, als solchen Menschen zu begegnen, denn diese beseligende Verzückung ist höchst ansteckend. Auf das Erreichen dieses Zieles ist der ganze Tantra-Weg ausgerichtet. Somit will Tantra genau wie Yoga die Vereinigung des Menschen mit seinem ursprünglichen natürlichen Zustand wiederherstellen. Es geht um nichts anderes als wahre Selbsterkenntnis, und die Entdeckung des wirklichen "Ich". Dieser abenteuerliche Weg der Selbstentdeckung ist lohnend. Es gibt nichts Wichtigeres, als den Sinn Deines Lebens zu verwirklichen. b) Die Rolle des Körpers Im Vergleich zu vielen spirituellen Richtugen und Übungswegen fällt im Tantra die starke Bejahung und Betonung des Körpers auf. Für die Tantrikerin/den Tantriker ist der Körper die Wahrheit, der Weg und das Leben. Der Körper in seiner Unvollkommenheit ist so vollkommen wie er ist. Der Körper ist Fahrzeug und Werkzeug zur Erleuchtung. Der Körper ist der geheiligte Tempel des Göttlichen. Der Körper ist das wunderbare Musikinstrument, auf dem das Göttliche seine Musik ertönen läßt. Der Körper ist das ästhetische Gewand und Ausdruck der Seele. Der Körper ist der Mikrokosmos, der den Makrokosmos, d. h. die ganze Schöpfung wiederspiegelt. Die Tanrikerin/der Tantriker entdeckt und versteht darin die Gesetzmäßigkeiten und das intensive Spiel der Gegensätze. Das ganze Universum wird als kosmisches Spiel "Lila" begriffen. Die Gegensätze heißen im Tantra Shakti (das urweibliche, dynamische Prinzip) und Shiva (das urmännliche, statische Prinzip). Shakti und Shiva erscheinen als: Yin - Yang Das Tantra ist somit ein Weg, der Gegensätzlichkeit bejaht und akzeptiert. Tantra heißt, nichts auszuschließen. Schwarz und weiß, weiblich und männlich werden als gleichwertige Manifestation der göttlichen Energie verstanden. Für die Tantrikerin/ den Tantriker gibt es nichts Schlechtes oder Falsches, von dem sie/er sich absondern müßte. Es gibt keine Moral und keine starren Regeln. Das Leben selbst ist der Meister. Die Tantrikerin/der Tantriker muß nichts bekämpfen, unterdrücken oder ablehnen. Es gibt nicht Schmutziges, Verkehrtes oder Verwerfliches in dieser Schöpfung. Der Geist der Tantrikerin / des Tantrikers wird so weit, daß immer mehr darin Platz hat. Sie/Er wird zum Gefäß, das alles aufnehmen kann. Eine Leere entsteht, die von allem erfüllt werden kann. Der Geist der Tantrikerin / des Tantrikers ist somit höchste Ehrfurcht vor allem Leben, egal ob es sich schwarz oder weiß, schön oder häßlich, jung oder alt, wonnevoll oder schmerzlich manifestiert. Die Tantrikerin/der Tantriker gibt sich hin und fließt mit, ohne Widerstand zu leisten. Dadurch wird ihr/sein Wesen auf ein enorm hohes Energieniveau gehoben. Das ist der Weg der Ekstase - der Weg höchster Glückseligkeit. Die Tantrikerin / der Tantriker läßt sich von allem Leben anrühren. Auch zerstörerische Aspekte wie Wut oder Zorn (Kali/Shiva) sind Teil der göttlichen Energie. Die Tantrikerin / der Tantriker möchte das Spiel von Shiva und Shakti bewußt erleben und auch, wenn es sein soll, die Vereinigung der Gegensätze geschehen lassen. Die Tantrikerin / der Tantriker braucht nichts zu zwingen, da sie/er weiß, das ohnehin alles zum Besten geschieht. Der Körper braucht nicht sublimiert oder abgestoßen zu werden, um Gott zu verwirklichen, sondern der Körper ist Gott, der Geist hat es nur noch nicht verstanden. Damit er's versteht, üben wir Tantra. Die Tantrikerin/der Tantriker vereint zwei Strömungen: den Körper zu vergeistigen und den Geist zu verleiblichen. Daraus entsteht das alchemistische Gold, das leuchtende Herz. Im Tantra geht es nicht darum, etwas Neues auf unser Mensch-Sein zu packen, sondern darum: das Wunder zu entschleiern, das wir jetzt schon sind. Es soll uns erwecken, aus unserer Trance und ins wirklichwache Sein führen, jenseits von Problemen, Sorgen und Verwicklungen des Geistes. c) Die Sinnlichkeit Das Besondere an Tantra ist das Ernstnehmen unserer Sinnlichkeit. Tasten, Riechen, Schmecken, Hören, Sehen sind göttliche Fähigkeiten, wenn sie richtig kultiviert werden. Es sind die Tore der innersten Glückseligkeit. Es sind die Tore zur höchsten Selbst-verwirklichung. Der ganze Körper ist Sinnlichkeit. Wenn das nicht sein sollte, hätten wir vom Göttlichen gar keinen Körper bei der Geburt erhalten. Darum ist es der göttliche Wille, daß wir unsere Sinne gebrauchen, verfeinern und in höchster Form zelebrieren. Der Tantriker entkommt der abstumpfenden Reizüberflutung der modernen Welt durch Achtsamkeits-Übung und Meditation. Die Wahrnehmung verschärft sich deutlich durch diese Praktiken. Ja, wahrscheinlich ist es der Sinn des Lebens, die Sinnlichkeit zu feiern. Durch Sinnlichkeit (Sensualität) gelangen wir zum Sinn. Die Schönheit in aller sinnlichen Wahrnehmung zu erkennen, ist wahrer Gottesdienst. d)
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| 2. Lucian Loosen über die Mythologie von Shiva und Shakti | |||||||||||||||||||||||||||||||||
Lucian über die Ikonographie und Mythologie des urweiblichen Prinzips (Shakti) und des urmännlichen Prinzips (Shiva) im indischen Raum: Auf vielen Thangka (Wandbehänge) sind Shakti und Shiva dargestellt. Der Körper von Shakti ist rot und versinnbildlicht dynamische Weiblichkeit, die schöpferische Kraft, Leidenschaft und sexuelle Energie, die die eigentlichen Qualitäten von Shakti sind. Sie bringt den ständigen Evolutionsprozeß des Kosmos in Gang. Der Kosmos selbst ruht; er verhält sich so passiv wie Shiva. Nur im Zusammenspiel mit der weiblichen Shakti kann er sich entwickeln und seine unendliche Vielfalt von Schöpfungen und Zerstörungen hervorbringen. Deswegen ist Shakti die Verkörperung aller Energie. Ohne sie würde jede männliche Gottheit zur Leblosigkeit erstarren. Von allen Göttern ist ihr insbesondere Shiva zugetan; vielleicht weil er als "Rudra-Shiva" eine sehr alte, vorarische Gottheit ist, also "naturhaft" genug, mit der "Schöpferin der Welt" (jagadmatr) eine Verbindung einzugehen. Shiva ist Shakti nicht überlegen. Als ruhendes, unveränderliches Bewußtsein (purusa) tritt er erst durch die aktive Urnatur (prakrti) in Erscheinung. Die Göttin ist gleichwertige Partnerin. Da die Shakti erst sehr spät als eigenständige Erscheinung in das hinduistische Götterpantheon aufgenommen, zugleich aber mit unzähligen lokalen Göttinnen identifiziert wurde, steht der Betrachter und Gläubige vor einer nahezu unüberschaubaren Vielfalt von Göttinnen mit den verschiedensten Bezeichnungen, ausgerüstet mit einer Vielzahl möglicher Attribute. Oft erscheint sie im Lotussitz. Sie trägt das Auge der Weisheit und reichen Schmuck, der aus Goldgeschmeide und zugleich auch aus einer Girlande abgeschlagener Menschenschädel besteht - ein Symbol dafür, daß sie friedliche und schreckliche Wesenszüge in sich vereint. Der Lotussitz deutet an, daß sie in tiefer Kontemplation verweilt. Das Auge der Weisheit in der Mitte ihrer Stirn unterstreicht dies, denn sein "unverhülltes Sehen" ist hauptsächlich nach innen gerichtet, ein Zeichen "ewiger Kontemplation". Wenn dieses Auge der Weisheit dagegen nach außen gerichtet ist, wirkt es zerstörerisch oder - besser gesagt - transformierend, denn es hebt dann die Dualität der Erscheinungen auf. In ihren vier Händen hält Shakti auf manchem Bild: Stachelstock (ankusa, in der rechten oberen Hand); Pfeile (bana, in der rechten unteren Hand); Schlinge (pasa, in der linken oberen Hand) und Bogen (dhanus, in der linken unteren Hand). Manchmal liegt Shiva in Ruhepose unter der Shakti. Damit gibt er zu erkennen, daß er sich in "kontemplativem Schlaf" ganz der Vereinigung mit Shakti hingibt. Er erscheint als der "große Asket" (mahayogin). Zum Zeichen der Reinheit und Lauterkeit seiner Übungen ist seine Haut "weiß wie Kampfer". Er ist nur mit einem um die Lenden gewundenen Tigerfell bekleidet und hat eine Girlande aus abgeschlagenen Menschenschädeln um den Hals gewunden. Anstatt der üblichen Geschmeide wie Halskette, Arm- und Fußreifen ringeln sich an diesen Stellen Schlangen um den Körper. Die Schlange ist Symbol der schöperisch-sexuellen Kunda-lini-Kraft. Eine Legende erklärt: Die heiligen Weisen des Himalayas (rishi) waren einmal sehr erzürnt über Gott, weil ihnen aus Liebe zu Shiva die Frauen davonliefen. Die Weisen taten sich daraufhin zusammen, um Shiva gemeinsam zu besiegen. Zu diesem Zweck schickten sie mit ihren magischen Kräften Giftschlagen und Tiger aus, die ihn töten sollten. Shiva neutralisierte jedoch die gegen ihn gerichteten Kräfte und machte sie sich zu eigen. Die Waffen dieser Weisen hält er seit jener Zeit selbst in den Händen: das Tigerfell ist sein Lendenschurz, die Schlangen sein Schmuck. Vielleicht kein Zufall, daß auch in unserem Kulturkreis die Schlan-ge für sexuelle Kraft und Erkenntnis steht. Wie Shakti verkörpert auch Shiva eine sehr alte vorarische Schicht indischer Religiosität. Er ist zwar schon lange den arischen Göttern wie Brahma und Vishnu gleichgestellt, hat sich aber trotzdem über die Jahrtausende seinen naturhaften Charakter bewahrt. Er ist immer noch den Stürmen, den Krankheitsepidemien und dem Tod viel näher als die anderen beiden großen Götter. Deswegen verkörpert er in der Trimurti (der Dreiheit von Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung) den Aspekt der Zerstörung. Außerhalb dieser Dreiheit besitzt er jedoch auch milde und friedvolle Züge. Er ist Helfer und Heiler der Wesen (pasupati) und trägt insgesamt 1008 Namen. Shakti und Shiva ruhen auf einer Plattform, die in der Mitte von einem Sri Yantra getragen wird. Darin ist die Vereinigung von weiblicher und männlicher Energie, die sich im Bild in Göttin und Gott manifestiert, nochmals dargestellt - diesmal in abstrakter Form. Das Sri Yantra besteht aus neun ineinander liegenden Dreiecken. Die vier nach oben zulaufende Dreiecke symbolisieren Kräfte, die in Shiva verkörpert sind; die fünf nach unten zulaufenden Dreiecke hingegen Kräfte der Shakti. |
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| 3. Was bewirkt EroSpirit®-TANTRA? (von Lucian) | |||||||||||||||||||||||||||||||||
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| 4. Dr. Christian Fuchs, Indologe, über Tantra | |||||||||||||||||||||||||||||||||
(Dr. Fuchs ist Indologe und im Vorstand des Berufsverbandes Deutscher Yogalehrer für Öffentlichkeitsarbeit tätig) Der Tantrismus ist eine der buntesten und schillerndsten Blüten der indischen Kultur, ähnlich wie die geistigen Bewegungen der frühen Upanishaden-Zeit der epischen Tradition, kann man ihn sicher als kulturelle Revolution bezeichnen. Vielleicht war er das sogar in noch größerem Maße als alle anderen Bewegungen vor und nach ihm. Denn der Tantrismus stellt quasi die ganze Religionswelt auf den Kopf. Die Grundtexte des Tantrismus - die Tantras und Agamas - bezeugen, daß auch der Tantrismus aus einem Randbereich der etablierten Kultur kam. In diesem Falle ist das sogar "handgreiflich" in geographischem Sinne zu verstehen. In den nord-westlichen und nord-östlichen Randzonen Indiens entstand etwa ab dem sechsten Jahrhundert n. Chr. eine Kulturströmung, die alle wesentlichen Dogmen der bekannten Religionswelt umwertete. Der Tantrismus postulierte eine radikale Hinwendung zur Welt. Die Welt war nicht mehr "lauter Übel" (sarvam duhkham) wie in vielen Upanishaden, auch nicht mehr Stätte der Pflicht (dharmaloka), wie in den Epen, sondern Stätte des Genußes (bhogaloka), Gottes "süßes Spiel" (Lila). Es ist ein Grundgedanke des Tantra, daß der Mensch durch das Leben hindurchgehen müsse, und zwar nicht, indem er sich von der Natur abwendet, sondern indem er sie benutzt. So entdeckte der Tantrismus den ganzen Bereich der erotischen Sinnlichkeit, die vor allem durch die asketisch orientierten Sekten religiös verbrämt worden war. Die verdrängte Weiblichkeit kam (wieder) zu ihrem Recht: auf der metaphysischen Ebene durch die Aufwertung der weiblichen Ur-Kraft (shakti), auf der gesellschaftlichen Ebene durch eine religiöse Gleichwertigkeit der Frauen, die jetzt verstärkt auch Lehrer (guru) waren. So entdeckte der Tantrismus den menschlichen Körper. Auch war er jetzt nicht mehr die "Quelle der Schmerzen", sondern der "Tempel Gottes". In der radikalen Kosmo-logisierungstendenz des Tantrismus wurde der Körper - das Abbild der Welt - zum perfekten Werkzeug für die Befreiung. Für den Tantriker mußte der Körper so lang als möglich und in vollkommenem Zustand erhalten werden, gerade um die Meditation zu erleichtern. |
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| 5. Tantra im Hinduismus | |||||||||||||||||||||||||||||||||
Im Lexikon der östlichen Weisheitslehren findest Du über Tantra, hinduistisch, buddhistisch, Sanskrit wörtlich: "Gewebe, Zusammenhang, Kontinuum", hinduistisch: Das Tantra gehört nach dem Veda, den Upanishaden, den Puranas und der Bhagavad-Gita zu den Grundlagen des Sanatana-Dharma, der "ewigen Religion" des Hinduismus. Sein zentrales Thema ist die göttliche Energie und Schöpfungskraft (Shakti), die personifiziert als Devi oder Göttin, die jeweilige Form eines Gottesaspektes als seine Gemahlin darstellt, hauptsächlich als Gemahlin Shivas. Entsprechend Shivas verschiedenen segensreichen oder furchterregenden Formen nimmt auch seine Shakti segensreiche Gestalten wie Maheshvari, Lakshmi, Sarasvati, Uma, Gauri und andere, oder furchterregende wie Kali und Durga an. Die ebenfalls als Tantra bezeichneten tantrischen Schriften und die tantrische Praxis bergen für Menschen, die nicht gewillt sind, sich einer strengen spirituellen Disziplin zu unterwerfen, Gefahren. Zwei tantrische Schulen haben sich herausgebildet. 1. der ungeläuterte, gefahrvolle Weg des Vamachara ("Linke-Hand-Weg"), der sich ungezügelten Riten und sexuellen Ausschweifungen hingibt; 2. der Dakshinachara ("Rechte-Hand-Weg") mit einem läuternden Ritual und strenger spiritueller Disziplin, die absolute Hingabe an die göttliche Mutter in ihren mannigfachen Formen fordert. Jedes Tantra sollte 5 Themen beinhalten:
Sie setzen sich aus den verschiedenen älteren Yoga-Praktiken wie Karma-Yoga, Bhakti-Yoga, Kundalini-Yoga und anderen Yoga-Wegen zusammen. Die tantrischen Abhandlungen sind meistens in Form eines Dialoges zwischen Shiva, dem göttlichen Herrn und seiner Shakti, der göttlichen Energie, abgefaßt. Sie versuchen, den ganzen Menschen zu göttlicher Vollkommenheit zu erheben, indem sie ihn lehren, die kosmische Kraft in sich (Kundalini-Shakti) durch besondere Riten und Meditation zu erwecken. Fünf Dinge werden für die Riten des Tantra benötigt: 1. Madya, Wein (Anmerkung von Lucian: In Punkt vier streiten sich die Gelehrten, in wie weit die fünf M's wörtlich oder symbolisch zu verstehen sind; 4. z. B. könnte auch Masturbation bedeutet haben) Eine Einführung in die geistigen Grundlagen des hinduistischen Tantra ist: |
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| 6. Tantra im Buddhismus | |||||||||||||||||||||||||||||||||
Im Tibetischen Buddhismus ist Tantra die Bezeichnung für verschiedene Arten von Texten (medizinische Tantras, astrologische Tantras, etc.); in erster Linie jedoch Oberbegriff für die Grundwerke des Vajrayana und die von diesen beschriebenen Meditationssystemen. Die Verkündigung der Tantras wird Buddha Shakyamuni zugeschrieben in seiner Manifestation als Dharmakaya (Trikaya). Tantra heißt hier "Kontinuum" oder "System". Diese stark auf die menschliche Erlebnisfähigkeit ausgerichtete Überlieferung beschreibt die spirituelle Entwicklung in Hinsicht auf die Kategorien Basis, Weg und Frucht. Die Basis ist die praktizierende Person, der Weg besteht aus den meditativen Pfaden, die diese Basis reinigen, und die Frucht ist der Zustand, den diese Praktiken herbeiführen. Um diese drei Phasen geht es in allen Ausdrucksformen des Tantra. Die tibetische Tradition spricht von vier "Tantraklassen": Kriya-Tantra (Handlungstantra), Charya-Tantra (Ausübungstantra), Yoga-Tantra und Höchstes Yoga-Tantra. Die Kriterien für diese Unterteilung sind die Unterschiede in den geistigen Fähigkeiten der Übenden und der Wirksamkeit der Mittel, die zur Erleuchtung (Bhodi) verhelfen. Zu den wichtigsten Werken des Höchsten Yoga-Tantra zählen z. B. Guhyasamaja-Tantra und das Kalachakra-Tantra. Die "Alten Tantras" der Nyingmapa-Schule unterteilten das Höchste Yoga-Tantra in drei weitere Klassen: Maha-, Anu- und Ati-Yoga (Dzogchen). Diese Tantras akzeptieren die schon immer gegebene Reinheit des Geistes als Grundlage ihrer Praxis; das bekannteste unter ihnen ist das Gyhyagarbha-Tantra. Das Denken der Tantras in Polaritäten findet seinen stärksten Ausdruck in einer vielschichtigen sexuellen Symbolik. Die Aufhebung der Dualität vom männlichen Prinzip (Methode, Upaya) und weiblichen Prinzip (Weisheit, Prajna) durch ihre Einswerdung wird als herausragendes Merkmal des Höchsten Yoga-Tantra bezeichnet. Eine Einführung in das Tantra des Tibetischen Buddhismus ist: Tantra in Tibet, Das geheime Mantra des Tsong-ka-pa, hrsg. von J. Hopkins, Düsseldorf/Köln 1980. |
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| 7. Yoga-Geschichte Zeit-Tabelle (zusammengestellt von Lucian Loosen) | |||||||||||||||||||||||||||||||||
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| 8. Über Tantra Geschichte und die moderne Zeit | |||||||||||||||||||||||||||||||||
Insgesamt können wir Indien als die religiöse Wiege der Menschheit betrachten. Die Tantriker teilen sich in zwei Klassen: Die Dakshinâcâris(dakshina = rechts, höflich, dezent) vollziehen die Riten mehr im geistigen Bereich die Vâmâchâris (vama = links, hart, unsauber) im Körperlichen. Diesen Bezeichnungen liegt zugrunde, daß in Indien die befleckenden Tätikgkeiten immer mit der linken Hand ausgeführt werden. Mit der rechten wird gegessen. Auch die Unterscheidung von weißem, rotem und schwarzem Tantra ist gebräuchlich. Weißes Tantra bedient sich der Philosphie, aber führt keine körperlich-sexuellen Riten aus. Rotes Tantra wäre ein sinnlich verstandener Weg, der die sexuelle Vereinigung mit einbezieht. Schwarzes Tantra wäre eine Form der Magie, die zum Ziel hat, anderen Menschen zu schaden oder egoistische Vorteile zu bewirken. Ein Yogi ist traditionell ein Welt-Entsager. Ein Bhogi ist wörtlich ein Weltesser = Genießer von sinnlichen Gelüsten, z.B. Nahrung, Bestandteile des linkshändigen Rituals sind: 1) madya: Wein, Branntwein
Nur wer den Verlockungen der fünf Makaras nachgibt, kann sie nach Überzeugung der vâmâchâryas auch überwinden. Shiva warnt vor banaler Genußsucht und verlangt, daß die fünf M's unter Aufsicht eines Gurus im Gruppenritual praktiziert werden, damit aus vordergründigem Genuß schließlich Vergeistigung wird. Der wichtigste Tantra-Text, das Kulârnava Tantra, enthält bittere Anklagen gegen den lebensfremden Bußkatalog der orthodoxen Brahmanen, mit denen diese in erster Linie ihre gesellschaftliche Überlegenheit und ihr Einkommen sichern wollten. Aber die absolute Freiheit lehrt Shiva auch nicht: Genuß ja, aber nur im rituellen Rahmen. Die tantrische Revolution im alten Indien war eine Volksreligion. Es war ein Bruch mit den vedischen Werten. Eine Bewegung der Wieder-Hinwendung zur Natur und Weiblichkeit. Yoga und Welt waren nicht mehr getrennt. Der Tempel war nicht mehr außen, sondern nun war der eigene Körper und der Körper des Ritual-Partners die Stätte der Anbetung. Das Ziel von Tantra ist aber das Gleiche geblieben wie in den früheren spirituellen Bewegungen: Moksa, d.h. Befreiung. Und: Die Einheit in der Dualität erleben. Der Körper wurde zum Symbol der Welt. Mikrokosmos und Makrokosmos sind eine Interessant ist es, die Weltsicht des Tantra als Polarität zu studieren:
Auffallend ist hier die Sichtweise von männlich und weiblich. Das ist im Tantra genau das Gegenteil zu unserer Sichtweise im Abendland, nämlich männlich = aktiv und weiblich = passiv. Es folgen noch einige wichtige Begriffe der Tantra-Philosophie, die zugleich auch Psychologie und eine Physiologie ist. Diese sollte jeder kennen, der sich mit Tantra beschäftigt.
Der Äskulap-Stab, das griech. Symbol der Heilung, ist bildlich die Susumna. Der Stab ist umwunden von der Schlange, Symbol für kundalini oder auch ida/pingala. Ziel des Tantra-Yoga ist die cakra-Aktivierung durch Aufstieg der Kundalini vom Wurzel- bis zum Scheitelcakra. So sollen höhere Entwicklungs-Stufen erreicht werden, Reinigung findet statt, Vereinigung der Polaritäten, Verschmelzung und Befreiung. |
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