Ich ging durch die Straßen von Havanna und weinte….

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Tagebuch-Bekenntnisse aus dem ganz normalen Alltag eines modernen Tantra-Meisters. Eine Abschiedsreise von Illusionen der Ehe und Familie nach Cuba

Es war meine 15. Reise in diese verrückte Welt der Kubaner – nicht nur vom Klima her so anders…

Ich fuhr hin, um die 3. und wohl letzte Ehescheidung meines Lebens zu regeln. Die 7 Tage dort kamen mir vor wie 7 Jahre – orchestriert vom göttlichen Komponisten – ein Pendeln zwischen Albtraum, morbider Romantik, Momenten glückseliger Leichtigkeit und bitter-süßen Erinnerungen meiner 10 Jahre währenden Cuba-Liebe mit vielen Aufenthalten bei den „Wilden“. Ich lernte die Sprache und lebte unter den Einheimischen in den Straßen von Santiago und Havanna, an ihren Stränden und in Konzerten und Diskotheken…und natürlich mit den Frauen und Familien dort.

Es sollte ein Ritual von Trennung und Abschied sein, vom geliebten karibischen Inselstaat, vielleicht war hier einmal in grauer Vorzeit die Insel der Glückseligen das sagenumwobene Atlantis gelegen, eine versunkenen Hochkultur der Menschheit.

In the Streets of Havanna habe ich meinen Traum von der heilen Familie für immer verloren. Denn auch die vierte Ehe meines Lebens (die erste war ohne Trauschein)  mit einer schwarzen Cubanerin – ist geplatzt. Und ebenso mein Traum, einmal Kinder komplett in harmonischer Zweisamkeit aufzuziehen bis ins Erwachsenen-Alter hat sich in Luft aufgelöst. Dennoch ahne ich, dass auch diese Scheidungskinder etwas Besonderes erreichen können in ihrem Leben. Sie werden trotz des Schmerzes der Trennung ihrer Eltern, der sie sicher manches Mal innerlich zerreißen wird, etwas Wertvolles lernen.

Die Abogada Claudia – Rechtsanwältin

Claudia Giron Gonzalez heißt sie richtig, mit allen Papieren bewaffnet habe ich mich im zweiten Versuch – hingestürzt zur Stelle für „Spezielle Dienste“ (Bufete de Servicios Especializados) im Vedado Stadtteil von Havanna. Hier werden Scheidungen schneller und leichter gemacht, weil ein Anwalt vor Ort das Prozedere für Dich übernimmt. „Indira“ die strenge Sekretärin im Wartezimmer – wo immer 12 Leute sich geduldig quälen, hatte meine 20,- Euro Schmiergeld (bei  uns ungefähr 200,- wert) nüchtern von sich gewiesen am ersten Tag; dann am zweiten kam sie dann, als ich einen Moment alleine bei der Anwältin im Zimmer saß und meinte, ich könne ihr das Geld schon geben, nur nicht vor den Augen aller im Wartezimmer… Nach meinem Bangen und Hoffen, komprimierte sich  meine Entscheidung, die 14-jährige Beziehung zu meiner kubanischen Noch-Frau in dem Satz: „Lieber ein Ende mit Schrecken – als ein Schrecken ohne Ende“ und ich war bereit, es durchzuziehen… Doch es stellte sich heraus, dass die Ehescheidung mit Kindern auch in Kuba nicht so einfach ist, wie ohne. Nach einem neuen Gesetz  – so erklärte mir die Anwältin in rasend schnellem Spanisch – sei das Einverständnis des Partners Voraussetzung. Und: Die Scheidung „Rebelde“ also gegen den Willen des Partners – von einem allein angestrengt – würde sich in Kuba über mehrere Jahre hinziehen, wenn man Kinder hätte. Da von Einverständis in Zeiten des Ehekriegs aber keineswegs die Rede sein kann, läuft es auf einmal auf eine Scheidung doch in Deutschland hinaus. Ich saß dort vor der weiter viel zu schnell sprechenden Anwältin, verstand ob der Sprache nur die Hälfte und war einem Nervenzusammenbruch nahe… soll die weite Reise und die Strapazen der Behördengänge bei diesem im Juni/Juli unerträglichen Klima in Cuba, – soll das alles umsonst gewesen sein?

Nein.

Alle Wände im Zimmer der Anwältin, übrigens jung, hübsch, selbstbewusst und feurig vom Naturell her – waren mit Zitaten und Sprüchen von Charlie Chaplin beklebt. Dies sind – wie sich herausstellte, die Lieblingsweisheiten meiner Spezial-Anwältin für Internationale Scheidungen. Einer davon, direkt hinter ihrem Kopf an der Wand, ging so ähnlich:

 „Alle Fragen danach, ob Du verheiratet bist, ob Du Kinder hast… Warum fragt keiner danach, ob Du glücklich bist???“

Und nach langen anstrengenden Erklärungen, Rückfragen und Diskussionen war dies das Fazit: Lass in Zukunft die Finger davon – wozu brauchen Menschen die Ehe heute wirklich? Können sie nicht viel glücklicher sein ohne dieses „Besitz-Stands-Zertifikat“?

Ist die Ehe nun eine gegenseitige „Bedürfnis-Befriedigungs-Anstalt“ wie vor vielen Jahren ein Astrologe mir süß-bitter mit leicht sarkastischem Unterton erklärte? Oder ist die Ehe eine Zweck-Gemeinschaft zum Trost gegen den Schmerz des Alleinseins? Weiter: Ist die Ehe die Verbriefung einer Schein-Sicherheit die es nicht gibt, und selbst wenn die Ehe sicher wäre, wäre sie gleichzeitig der fortschreitende Trauerzug des Todes von Spontanität, Entwicklung, Wachstum und Achtsamkeit, der Verlust allen Respektes durch die Abstumpfung der Gewöhnung, der sich kaum einer bisher zu entziehen vermochte.

Oder ist die Illusion der Ehe nur einem kleinkindlichen Bedürfnis entsprungen, zu zweit keine oder weniger Ängste mehr haben zu brauchen?

Wenn man sich anstrengt, kann die Illusion, dass der Partner Dich glücklich macht, Jahre aufrecht erhalten werden. Und die Ehe wird auch mit Vorliebe dazu benutzt, sich mit dem Anderen zu beschäftigen, damit man sich nicht mit den eigenen Macken beschäftigen muss. So bewahrt in der Ehe in den ersten Jahren jeder den anderen vor der Konfrontation mit dem eigenen Schatten.   Man packt sich gegenseitig in Watte eine Zeit lang. Manche versuchen sich auch gegenseitig so sehr zu helfen und zu retten, dass die eigene Entwicklung über Jahre komplett stagniert. Denn verändern kann einen niemand anderes, das kann nur jeder selbst mit sich tun. Bei der Scheidung kommt es dann richtig Dicke: Man darf sich die eigenen Schatten im XXL Format anschauen, vom Partner gespiegelt und als eiskaltes oder viel zu heißes Gericht serviert.

Gleichzeitig ist die Ehe eine Last und der Verlust des höchsten Gutes des Menschen: Freiheit!

Und: Viele bleiben beim Partner obwohl sie spüren, dass die Beziehung schon lange tot ist und – nehmen die schöne Erinnerung von damals, als alles anfing – als Bewahrung der Asche in Kauf, weil sie sich zu keiner Alternative trauen und sterben damit in der Seele….

Ja, ja, ist ja gut… ich höre auf damit.

Nur eins war mir klar in Havanna als ich Tag für Tag schwitzend in ungeheuer heiss-feuchtem Klima durch die Straßen schlurfte: Dieses Spiel der Ehe: „Du gehörst mir und ich gehöre Dir!“ ist für mich für immer vorbei. Ich brauche es nicht mehr.

Zumindest als Weg zum Glückt taugt es nichts. Und ich habe es lange genug gespielt, und mit allen erdenklichen Kräften versucht gut zu machen, um das zu wissen.

Denn die FREIHEIT ist der Schlüssel zum Glück für den Menschen in diesem Zeitalter. Bindung ja, aber nur an das Göttliche, das Unvergängliche.

In der Ehe macht der Mann sich für die Frau zum Sklaven und deshalb sucht er meist Geld unter viel Stress, um die Gattin glücklicher zu machen und so versklavt er sich nicht nur der Frau sondern auch noch dem Geld. Und wenn nicht dies, ist der Mann dabei, sich  abzurackern um ihre Gunst zu erreichen. Ebenso macht die Frau sich in der Ehe zur Sklavin, um zu Gefallen und um Anerkennung zu bekommen. Sie sucht Bestätigung – bis die Seifenblase platzt.

Besser: Liebt EUCH und seid euch selber treu. Das ist die einzige Treue die glücklich macht. Ein Erwachsener darf jederzeit an jeden Ort der Welt gehen und jederzeit alles in dem Moment tun, was sich gut und richtig anfühlt. Darüber hat kein Partner zu bestimmen.

Am Morgen nach dem Rückflug allein im Parkhaus des Flughafens

Die Woche in Kuba hatte ich überstanden, den endlos langen Hin- und Rückflug ebenso nebst aller Papiere und Kontrollen, ebenso das quälend feucht-heißem Klima überlebt und den vielen Müll und Dreck überall – mir ist nichts geklaut worden und ich habe noch Kunst und kubanische Zigarren erstanden, viel mehr als erlaubt, außerdem alles glücklich durch den Zoll gemogelt…bin vom Chef des Parkhauses noch 20 min. in endlosen Gängen begleitet worden um mein Auto wiederzufinden…

Als ich allein war, da brach ich spontan in Tränen aus – nach all diesen – selbst bewusst gewählten und überstandenen Strapazen, nicht nur dieser Reise, sondern der letzten Monate, Jahre, Jahrzehnte meines Lebens:

WAS HABE ICH MICH SO VIELE JAHRE  FÜR ANDERE ANGESTRENGT!!

WELCHE LAST HABE ICH MIR AUFGELADEN!!

WELCHEN DRUCK MIR GEMACHT, UM ANDERE GLÜCKLICH ZU MACHEN, um andere zu erheben, um anderen zu helfen!

 WELCHES LEID HABE ICH MIR SELBST AUFGEBÜRDET!!!

Mit welchem Ergebnis?

Mit dem Ergebnis, dass hier und jetzt nur ein kleiner Junge steht im Parkhaus, versunken, im Meer von nicht enden wollenden Tränen des Schmerzes, in der Rückschau auf mein ganzes bisheriges Leben

Suchen wir nicht ALLE DASSELBE? DAS EINE, nämlich höchste Glückseligkeit SAT-CHIT-ANANDA???

Ja, ich habe in meinem Leben einiges mit Bravour gemeistert auf das ich wahrhaft stolz sein kann. Und ebenso wurde mir die Gnade geschenkt, auf sehr, sehr viele traumhaft schöne Erlebnisse in allen Lebensbereichen zurückschauen. Ich habe in der Spanne von fast 59 Jahren in meinem Bereich wirklich Erfolg gehabt und außergewöhnliches erschaffen und geleistet – und ebenso durfte ich mich meinem Fach entwickeln zu einem genialen Meister mit viel Weisheit, Inspiration und Licht begabt –

 …doch steht hier nur ein kleines Kind, ein bedürftiger Junge, der Anerkennung und Bestätigung sucht, Halt und Sicherheit, der spielen will und immer neugierig ist.

Die Geschichte von Pavel, dem Vermieter

Ich hatte mich in eine winzig kleine Privatwohnung in Havanna Vieja, der Altstadt, eingemietet bei einem Universitäts-Professor als Vermieter – der übrigens auch schon viermal verheiratet war und ein 20-jähriges Kind hat sowie jetzt noch einmal mit der neuen jungen Frau ein zweijähriges…Beim Empfang hat er mich zugequatscht wie alles in der Wohnung geht, Wasser, Strom – der in Havanna 20 x zu unberechenbaren Zeiten täglich kurz ausfällt – und damit auch meine Klimaanlage –  diese Wohnung liegt direkt unter dem Dach, der karibischen Hitze ausgesetzt. Aber mir fehlte es an nichts. Abends habe ich oft nur Erdnüsse und eine halbe Avocado gegessen oder Mango. Oft saß ich zur Dämmerung noch auf dem Dach auf einer kleinen Terrasse mit Blick über die Altstadt zum Hafen und zur orthodoxen Ostkirche mit einer leuchtenden Goldkuppel in Zwiebelform in der sich das Licht und der Sonnenuntergang spiegelte.

Die Geschichte von Martalena der kubanischen Malerin

Vor Jahren hatte ich schon einmal ein Bild bei ihr gekauft. Sie hatte es sogar mal zu einer Reise und Ausstellung nach Deutschland in Mannheim gebracht. Vor 7 Jahren sah ich sie zuletzt – jetzt abgemagert und erschreckend gealtert – mit Diabetes scheinbar dem Tode nahe – und auch ihre künstlerische Schaffenskraft war verblichen, nur noch selten konnte sie im Atelier ein Bild fertigstellen. Dennoch war ich sehr erfreut und dankbar sie zu sehen, wo ich doch im Herzen immer ein Künstler bin, nie Therapeut oder Lehrer. Ich habe ihr meine Ehre erwiesen und dafür gedankt, dass sie so viele Jahre Menschen mit ihren Bildern glücklich gemacht hat: Und ich habe gesagt, dass auch nach ihrem Tode sie in den Bildern weiterlebt und noch viele Menschen mit ihrer Genialität glücklich machen kann. Mit ihrem naiv-kindlichem Mal-Stil, der immer ein wenig Humor enthält, der durchschimmert, genauso wie die karibische Lebensfreude, Wehmut, auch Erotik die aus den Bildern strahlt. Vielleicht würde ich sie das letzte Mal sehen und habe noch ein Bild von ihr gekauft für ein Geld das mehr ist, als wofür ein durchschnittlicher Kubaner 3 Jahre arbeiten würde, um es zu verdienen (obwohl in Wahrheit die Hälfte der Bevölkerung nicht arbeitet). Und bei Kunst verhandele ich nie über den Preis. Das würde den Wert meines Erworbenen mindern und den Sinn der Kunst verdrehen, etwas „Sinnlosem“ einen ideellen Wert bei zu messen. Kunst ist ein Zeichen von Kultur der Menschheit mit Niveau.

Die Geschichte von den beiden chinesischen Schwarzmarkt-Händlern Ho Chi Min und Toni

…gerne genieße ich hier und da eine Zigarre und die aus Kuba haben nach wie vor den besten Tabak der Welt aus Vinales. So suchte ich die Wohnung in der Nähe des Kapitols im Zentrum von Havannas Altstadt, wo sie stehts illegal ein paar Kisten für ein Viertel des offiziellen Preises verscherbeln. Es sind Arbeiter aus den Tabak Manufakturen die bei guter und schneller Arbeit immer ein paar Kisten Zigarren mitnehmen dürfen zur Belohnung – die Wohnung war verschlossen und ich klopfte überall und rief. Später sagte mir jemand, der Verkäufer sei verstorben….Weiter fragte ich mich durch – in der Nähe des Barrio Chino des Chinesenviertels von Havanna – bis wir in eine Wohnung kamen, der Mann hinkte, die Hüfte kaputt,  aber präsentiert mir vier Schachteln feinster frisch gemachter Havanna-Zigarren: Cohiba, die Zigarre des Präsidenten Fidel Castro und auch eine Dose mit Monte Cristo der Zigarre die Che Guevara, sein Kumpel Revolutionär, manches Mal genoss….

Eine herrliche Maduro-Edition von 2014 im Torpedo Stil gerollt war auch dabei. Nirgends duften die Zigarren so gut wie im Ursprungsland Kuba selbst bei dem Warm-feuchten Klima….Ich wollte nur zwei Schachteln kaufen und nahm vier mit. Meine Männergruppen werden es mir danken.

Zigaretten raucht man, wenn man nervös ist. Zigarren, die Kubaner nennen sie „Tabacos“ genießt man, wenn man ruhig ist und erfolgreich gearbeitet hat als eine „Selbst-Belohnungs-Meditation“. Die Chinesen kamen ursprünglich über London nach Jamaika, der Nachbarinsel und haben sich dann in Kuba auch mit Schwarzen aus Afrika und den hellen Spaniern gemischt. Bis heute haben sie sich aber einige chinesische Kultur und Eigenheiten bewahrt. Ich bezahlte viel zu viel obwohl ich es durch Jahre der Erfahrung besser wissen musste, ich hatte die Preise nicht mehr im Kopf…und war zu sehr angetan von der hohen Qualität des Tabaks…okay unbewusst hatte ich mal wieder Entwicklungshilfe für die dritte Welt geleistet.

Jogging am Malecon um 6 Uhr morgens

Ich ging immer früh zu Bett gegen 21 Uhr. Des Nachtlebens von früher bin ich müde. Viel Alkohol, viel Geschrei, viel zu laute Musik und eine Menge Putas (Profi-Touristen-Abschlepperinnen, Jineteras, Schlampen/Prosituierte)

Also früh ins Bett, früh aufgestanden um 5 Uhr morgens, Meditation vor meinem auf dem Boden eingerichteten Altar der Großen Göttin mit Marienstatue im Wohnzimmer. Dann rauf aufs Dach und auf der Terrasse im Morgengrauen meine Yoga-Übungen gemacht mein und Thera-Band Muskeltraining. So sah ich oft die zauberhafte Morgenröte bei der Geburt des Tages und vorher den Untergang des Polarsternes. Dann meine 5-Finger-Zehenschuhe angezogen und raus durch die Altstadt zum Hafen gejoggt und dann über den Plaza de Palomas an der Uferpromenade von Havanna vorbei am Meer, genannt Malecon. Vor Sonnenaufgang: Jede Minute später und ich wäre dem Hitzetod erlegen. Am Rand des Hafens traf ich die Fischer mit ihren Angeln. Dass das Wasser am Rand oft regenbogenartig schillerte und mit viel Dieselöl verseucht ist, das die Schiffe ablassen, stört die Angler nicht. Auch der Geruch von verbranntem Dieselöl der LKWs hat für mich eine typische Romantik der alten Zeit die es bei uns um 1950 noch gab. Einige neue schöne Kunstwerke haben sie am Malecon aufgestellt. Sonst triffst Du noch ein paar andere Jogger, z.B. die übergewichtige schwarze „Olympia-Walkerin“ die ihre Runde zur gleichen Zeit wie ich dreht, auch hier und da ist ein Tourist beim Frühsport dabei. Wenn man gegenüber des Leuchtturms der Hafeneinfahrt um die Ecke biegt, liegt die „Skyline“ von Havanna vor einem. Das Gemisch aus alten Kolonialhäusern, viele auch noch verfallen, einige Bausünden aus den 80er und 90er Jahren aus der Sowjet-Zeit und ein paar neue modern sanierte Häuser, fast immer Hotels. Jetzt wollen sie neben dem „Havanna Libre“ das Hilton der 30er Jahre in dem erst die Mafia-Bosse aus den USA hausen, später die Revolutionäre um CHE – daneben noch das höchste Hochhaus von Kuba bauen. Ganz hinten sieht man die Botschaft der US-Amerikaner, des verhassten Klassenfeindes des Sozialismus. Um halb sieben bin ich dann wieder in meiner Wohnung, einige Liter Schweiß leichter und richtig kaputt. Aber das muss sein. Der Tantriker pflegt seinen Körper täglich.

Die Sache mit den Chicas

Für jeden der nicht blind ist, kommt kein Tourist an den besonderen Verlockungen Kubas vorbei – die Frauen! Es gibt zwar offiziell keine Prostitution in Kuba aber offen oder verdeckt mit Tricks und Spielchen, halten die Damen zum Schluss immer die Hand auf. Die tiefere Absicht ist allerdings über Heirat mit einem Touri aus Kuba zu flüchten und außerdem durch den Touristen im Ausland den Rest der Familie finanziell zu unterhalten. Denn Cuba gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, wo keiner der Arbeitenden Bevölkerung von seinem Verdienst leben kann.

Ich hatte mir vorgenommen mich diesmal nicht mehr auf die Grazien einzulassen.

Jeder Tourist, der fragt und weiß was er will, bekommt auch hier Geschenke. In jeder Begegnung sah ich in der Vergangenheit eine Botschaft der Großen Göttin, manche Frauen versuchte ich noch zu belehren oder ihr Trauma zu heilen – ich habe immer zu viel Mitgefühl mit Menschen, egal was die Rasse oder Herkunft ist oder der Lebensstand. Frauen  zu finden ist nicht das Problem in Cuba, nur – sie wieder loszuwerden. Sie kleben an Dir, wenn sie einmal das Blut unseres Wohlstandes geleckt haben. Manchmal kam ich mit neuer Flirt-Eroberung die Treppe meines Hauses hoch, während eine andere Frau vor der Tür meines Appartments schon wartete. Da muss manches mal „improvisiert“ werden, weil die Frauen hier oft sehr eifersüchtig sind. (davon abgesehen weltweit auch keinen „treuen“ kubanischen Mann). Ich habe dieses interkulturelle Spiel zwischen Mann und Frau früher abgewertet, aber lernte zu verstehen, dass es ein Austausch von Geben und Nehmen ist, bei dem – zumindest eine Zeit lang jeder bekommt was er will. Die Frauen erreichen etwas mehr Wohlstand in einem der ärmsten Länder der Welt und die Männer bekommen folkloristische Leidenschaft und die ursprüngliche Triebhaftigkeit der „Wilden“ damit sie für ein paar Stunden aus dem Kopf herauskommen und alle Sorgen daheim vergessen. So ist dies eine tragisch-komische Geschichte mit den Verlockungen des Weibes im karibischen Paradies von Rum, Zigarren, Strand und Salsa…

Auch in den schlimmsten Vorurteilen steckt manchmal ein Funken Wahrheit. Kubanische Frauen wissen nicht was Liebe ist, weil ihr Wurzechakra = Urvertrauen so verletzt ist. Armut, Alkoholismus, Gewalt und Missbrauch findet man in fast jeder Biografie in der Familie eines Kubaners. Auch die Bildung kann man in keiner Weise mit der der westlichen Industriestaaten vergleichen. So würde für Sicherheit und die Aussicht auf mehr materiellen Wohlstand fast jeder Kubaner sofort seine Liebe aufgeben und zu einem anderen Partner gehen oder in ein anderes Land.

Ob ich mein Gelübde eingehalten habe, mich nicht mehr auf die Frauen in Cuba einzulassen? Wer weiß, wer weiß….

Playa Tropicoco

Wenigstes einmal in dieser Woche wollte ich in das Meer eintauchen. Also diesmal mit Bus günstig zum Tropicoco Strand auf der Ostseite von Havanna…Liegestuhl, Sonnenschirm, Essen bestellt und Mojito Cocktails eine frische Kokosnuss geschlürft…das wunderbare Türkisgrün und Blau des Meeres, sehr klares warmes Wasser der strahlend blaue Himmel, das Treiben der Kinder, der sanfte Wind, eintauchen ins Meer untertauchen und ein nettes Mädchen, dem ich winke und das sich zu mir gesellt zum Plantschen im Wasser und Küssen voller, sanfter Lippen…das war geschenkte karibische Glückseligkeit für einige Momente…

Ich atme tief ein und sauge es in mich auf…Es entschädigt für viele Strapazen…

Für ein Ritual habe ich die Strand-Episode auch noch genutzt: Ich hatte die Kärtchen mit Adressen vieler Geliebter der Vergangenheit mitgenommen und sie als OPFER mit SVA-HA dem Meer übergeben… die Tinte verschwamm und die Zettel wurden von den Wellen verschluckt wieder von der Ewigkeit aufgesogen…

Am gleichen Tag beerdigte ich noch die Adressen  und Niederschriften von 10 Jahren Kubareisen in einem Müllcontainer….

Lass los und sei frei! Heißt es in der Grabinschrift meines Vaters Klaus Heinrich Loosen.

Die Musiker Cubas

Das ist die große Stärke der Kubaner. Sie sind die Quelle aller modernen Musik der Welt. Hier trafen sich die Rhythmen der afrikanischen Sklaven mit den Melodien der spanischen Kolonialherren…Kuba hat die Fusion in die Welt getragen, nicht nur Cha-cha, Rumba, Son und Salsa sondern auch Pop, Rock und Jazz sind aus kubanischen Wurzeln entstanden, lernt man, wenn man die Geschichte der modernen Musik studiert. So sehr die Deutschen dem Rhythmusgefühl und Takt im Tanzen heute durch ihre Kopfigkeit entfremdet sind, so sehr hat jeder Kubaner diesen Rhythmus im Blut und im Körper. Sobald Musik ertönt singen die Kubaner mit und bewegen sich – ganz natürlich. Wenn sie Tanzen, ist es nicht „gemacht“ wie bei uns, sondern sie „sind“ es, ganz frei, ganz natürlich so wie Atmen oder Essen so tanzen sie – ohne Nachdenken ganz archaisch dem Herzschlag als Wurzel aller Rhythmen verbunden. Das ist wunderschön und ansteckend.

Ende.

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