Kategorie: Lucian’s Tantra-Essays
Lucian’s Tantra-Essays
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Frohsein – das ist Tantra!

Es ist nicht einfach, in der Welt zu leben mit den Verlockungen die das EGO uns anbietet, und trotzdem ohne Ego zu sein, was der einzige Weg zum Glück ist.
Zu viele Lügen sind in den Medien, dass etwas Äußeres uns glücklich machen könnte. Zu viele falsche Patent-Rezepte werden verkauft.
Immer wenn wir einige Momente froh sind, wissen wir, dass wir aus dem Ego raus sind und etwas richtig machen. Wir haben richtig gewählt.
Wenn Du traurig bist, wisse: Das muss nicht sein. Depression kommt von dem Gefühl, dass Dir etwas entzogen wurde, was Du willst und nicht hast. Wir haben die Wahl wieder auf das Geschenk unseres Lebens zu fokussieren, die Fülle.
Immer wenn Du ängstlich bist, wisse: Das muss nicht sein. Wir haben die Wahl wieder auf Vertrauen zu fokussieren und die Gewissheit, dass das Leben, die Große Göttin uns immer unendlich lieben, mehr als jede Mutter oder jeder Vater es könnten. Wir sind geliebt und beschützt, das ist eine Tatsache!!
Immer wenn Du Dich schuldig fühlst: Wisse, das muss nicht sein. Du hast die Wahl Dich wieder der Vergebung und Gnade zu öffnen, zur Tatsache, dass alle Deine Fehler gelöscht sind in dem Moment, wo Du es annehmen kannst.
Immer wenn Du denkst, das wahre Leben beginnt, nachdem Du noch mehr und zu viel geleistet hast. Das muss nicht sein. Du darfst JETZT loslassen, denn für das Ego ist genug nie genug, weil es durch Mangel definiert ist.
Immer wenn Du Dich stresst, weil sonst vermeintlich Geschäft oder Geld verloren gehen…. Das muss nicht sein! Du kannst loslassen und vertrauen, dass es gut läuft oder sogar noch besser, wenn Du Dich selbst in der Arbeit nicht kaputt machst. Erlaube Dir alle Ruhe-Inseln im Alltag, gerade wenn Du denkst: geht nicht!
Glaube nicht mehr den Ego-Stimmen, sondern der Wahrheit. Schere Dich noch weniger darum was andere denken und was Dein „Image“ in der Welt ist. Du bist frei und Du bist wertvoll und darfst immer Deine eigene Entscheidung treffen. Niemand kann über Dich bestimmen!! Darin liegt Deine Würde. Tantra ist Würde und Entspanntheit – auch und gerade, wenn es manchmal verrückt aussieht!

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Liebe ist keine Emotion – sie ist Deine Existenz

Bei Liebe denken wir meist an Aufbruchstimmung und Verliebtheit…
„Alles, was wir wirklich wollen, ist die verwirrende Kraft der Liebe zu spüren!“
So beschreibt Rumi, der geniale Sufi-Mystiker unser aller tiefe Sehnsucht.
Und doch laufen so viele Menschen aus neurotischer Angst weg von der Liebe…und sind mit Ersatzbefriedigungen beschäftigt, mit Unterhaltung, mit Kampf, um den Schmerz zu vergessen, von der Liebe getrennt zu sein. So verlieren wir viel Energie mit Schmerzen aus der Vergangenheit und Sorgen über die Zukunft.
„Liebe ist keine Emotion, sie ist Deine Existenz.“
Wie kommen wir dahin? Was sollen wir machen?
„Deine Aufgabe ist es nicht, nach Liebe zu suchen, sondern nur alle Barrieren in Dir zu suchen und zu finden, die du dagegen aufgebaut hast.“
Und bei dieser inneren Arbeit, wirst Du Wunden entdecken, körperliche und seelische Wunden, die obwohl scheinbar heil sie dennoch nicht hinter Dir gelassen hast.
„Eine Wunde ist der Ort, über den das Licht in Dich eindringt.“
Insofern kannst Du froh sein, wenn Du sie entdeckst oder ihren Schmerz spürst. Sei dankbar dafür, denn das ist der erste Schritt zur Lösung.
Die Königs-Frage an Dich selbst, wenn Du in Sorgen und Ängsten des Egos wieder einmal verstrickt bist:
„IST DIES (Sorge, Angst, Problem) WICHTIG IM MOMENT MEINES TODES?“
Im Moment des Sterbens bleibt nur noch übrig. was wirklich wichtig war in Deinem Leben. Nämlich: Hast Du geliebt, hast Du Freude und Erfüllung gehabt im Leben? Hast Du Dich lieben lassen und es gefühlt?
Der Vier-Schritte Prozess im Tantra, um LIEBE ZU SEIN
- Sehen wahrnehmen des Ego = Schmerzes
- Der tiefe Wunsch etwas zu verändern, zu lösen, zu heilen
- Ehrliche Selbst-Reflektion, was tat ich, was tue ich, wo sind meine Illusionen?
- Anrufen der Großen Göttin Dir dabei zu helfen es für immer abzustreifen
Denn es steht nicht in unserer eigenen Macht, wenn wir einer so machtvollen Gewohnheit verfallen sind immer wieder in das Ego einzurasten und uns mit falschen Glaubens-Sätzen zu identifizieren.
Ohne Ego zu sein heißt, nicht mehr Rechthaben zu wollen, nicht mehr andere anzugreifen, sich nicht mehr zu verteidigen oder zu rechtfertigen, selbst wenn andere im Unrecht sind. Sobald wir alles dies nicht mehr tun, wird das Ego aufgelöst, das erscheint in der Welt zwar als Schwäche und Niederlage, wenn Du demütig und duldsam bist…„das lässt Du Dir nicht bieten, denen werde ich es zeigen“ aber im Tantra ist es Stärke und echte Weiterentwicklung wirklicher Fortschritt zu dauerndem Glück und Erleuchtung.
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OUT OF THE BOX – Liebe oder Angst?

Anfänglich schafft der Mensch sich seine Box, um sich sicher zu fühlen (Wurzelchakra). Auch aus der Liebesbeziehung wird aus dem Grund eine „Kiste“ gemacht. Später merken wir, dass die Box ein Gefängnis geworden ist. Dann kann der Ausweg – um zu wachsen – nur noch sein: Sprenge die Box!
Genau dafür gibt es Tantra. Die Überschreitung der selbst auferlegten Grenzen gibt neue Freiheit und kreative Handlungsmöglichkeiten für die freiwillig Eingemauerten.
Tantra ist ebenso der Weg der Liebe. Sinnlichkeit ohne Liebe ist halbherzig und lässt Unerfülltheit bald zurückkehren. Und ja, wir haben immer die Wahl: Liebe oder Angst. Wo echte Liebe ist, kann keine Angst sein. Wo Du den eingebildeten Gespenstern der Angst folgst, ist keine Liebe. Oft wird die Angst zum Angriff auf andere Menschen und auf Dich selbst. Angriff ist ein verirrter Hilferuf. Anstatt Dich auf die Angst einzulassen, bitte um Hilfe. Anstatt mit Gewalt oder Selbstzerstörung zu reagieren, bitte um Unterstützung. Benenne genau was Du brauchst und was Du wünschst. Benenne es Deinen Mitmenschen gegenüber und benenne es der Großen Göttin gegenüber.
Auf unseren Seminaren wirst Du alle Antworten für Dein Leben bekommen. Du musst nur Fragen und Bitten. Auf unseren Seminaren wird alle Hilfe, die Du annehmen kannst, bereitgestellt. Kein Bedürfnis, das Du hast, wird nicht befriedigt werden. Du brauchst nur zu fragen und zu bitten.
So sei Dein neues Mantra, das Wunder wirkt:
„Ich bitte um Hilfe!“
„Ich bitte um Unterstützung!“
Wie schwer das oft dem Ego fällt, das stolz ist und arrogant und meint alles allein am besten zu können… Welch fataler Irrtum.
Die Große Göttin nimmt Dich so, wie Du bist. Mit Deiner Stärke und mit Deiner Schwäche. Deine Schwäche ist die Stärke der Großen Göttin. Unser Leben fließt dann am Besten in Leichtigkeit und Glück dahin, wenn wir Verantwortung abgeben an die höhere Führung, die innere Stimme. Wo Du schwach bist, gibt sie Kraft. Wo Du verletzt bist, gibt sie Heilung. Wo Du versteinert bist, macht sie lebendig. Wo Du hart bist, schenkt sie Fließen. Wo Du unzulänglich bist, gibt sie Vollkommenheit. DU BRAUCHST dafür nur Empfänglichkeit und Bereitschaft.
Liebe heißt vor allem, anzunehmen, dass Du GELIEBT BIST. Wir dürfen es lernen, dass wir Geschenke annehmen – ohne dafür etwas zu tun. Dafür braucht es am Anfang etwas Geduld, dass wir nicht wieder in Aktivismus verfallen oder unsere Sorgenmaschine im Kopf anwerfen.
Sei das geliebte Kind der Großen Göttin!
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TANTRA, RELIGION & PSYCHOTHERAPIE

Erfahrungsbericht meines Besuches am Grab von Bert Hellinger von 16.-19. September 2021 in Wals (Salzburg/Österreich) und Ainring
Nachdem ich vom Tod meines verehrten und wichtigen Lehrers Bert Hellinger das erste Mal hörte in der Toscana 2021 – stieg sofort der Wunsch auf, sein Grab zu besuchen. Zu Lebzeiten von Bert war mir schon klar, dass ich dieses Bedürfnis hatte, ihm wenn es soweit ist, die letzte Ehre zu geben und mir war klar, dass das ein kraftvolles Ritual würde, auch wenn ich die letzten 20 Jahre weder mit ihm noch mit der Szene des Familienaufstellens physischen Kontakt hatte.
So habe ich den Flieger nach Salzburg und ein Hotel gebucht und recherchiert, wo er begraben liegt. So bin ich, ähnlich wie Bert, wenn sich mir eine Intuition aufdrängt, handele und manifestiere ich sofort. Denn das Leben ist zu kurz für Halbheiten und „später mal…“.
Donnerstag kam ich an und war „wild darauf“, ihn an seinem Grab zu treffen, ging im Regen zu Fuß vom Nebenort Siezenheim eine Stunde nach Wals und irrte auf dem Friedhof umher um seinen Namen auf einem Grabstein zu finden, leider vergebens. Ich fragte noch eine alte Dame ob sie wisse wo er liegt und zu zweit gingen wir nochmals fast alle Gräber des kleinen Bergfriedhofes durch…ohne Ergebnis. So wanderte ich mehr oder weniger frustriert wieder zurück durch den Regen in mein Hotel. War es vielleicht der falsche Friedhof?
Am nächsten Tag, mittlerweile „angekommen“ – auch in der Seele – und ruhig geworden, hatte ich morgens meditiert. Dann habe ich noch bei der Gemeinde und dem Friedhofsamt angerufen und nochmals beim Hellinger-Institut nachgefragt in Bischofswiesen…bis mir schließlich jemand von der Gemeinde sagte, das Grab sei direkt hinter der Trauerhalle und zu erkennen an den orangen Studentenblumen Tagetes die sein Grab komplett bewachsen.
So habe ich mich an Tag zwei mit dem kostenlosen Walsi-Taxi hinbringen lassen und zuvor noch Blumen für sein Grab gekauft. Ich hatte das Grab schon wahrgenommen am Vortag – wäre aber nie auf die Idee gekommen, dass nur ein einfaches Holzkreuz darauf ist, man sagte mir: erst nach 2 Jahren, wenn der Boden sich gesetzt hätte würde man einen Grabstein draufsetzen.
So hatte Hellinger die Begegnung herausgezögert und mir am ersten Tag eine Absage erteilt, weil ich nicht gesammelt war und heute am zweiten Tag war ich reif.
So gab ich Blumen, weinte spontan und freute mich, zündete ein Räucherstäbchen an und rollte meine Isomatte aus um mit dem mitgebrachten Meditationskissen dort zu verweilen und zu kontemplieren.
Bert, der die Einfachheit und Bescheidenheit liebte, das Holzkreuz und das leuchtende Orange der Tagetes…der Regen hatte aufgehört und die ersten Sonnenstrahlen kamen wieder. Der Duft der Blumen zog viele Bienen und Schmetterlinge an.
Ich dachte: einen feinen Platz hast Du Dir ausgesucht für Deine letzte Ruhestätte rechts die Kirche von Wals auf einem Hügel oben und links der Blick auf die Alpen…und unterhalb vor dem Friedhof am Weg unterhalb der Mauer noch eine wunderbare Marienstatue, der Himmelskönigin, Symbol der all-liebenden Mutter. Die christliche Herkunft hast Du nie verleugnet und auch nach dem Austritt aus der Kirche gesagt, Du wärest lebenslänglich ein Priester geblieben – wenn auch ohne Konvention und verlustig der einengenden Moral. Den Ausschlag des Verlassens der Kirche waren die Worte eines Lehrers des Klosters, der gruppendynamische Seminare gab, an denen Du teilgenommen hattest bereits damals in Südafrika:
„Bert: Was ist Dir wichtiger, die Ideale oder der Mensch?“ Da fiel es Dir wie Schuppen von den Augen, dass Du mehr dem Menschen dienen wolltest und seinem Glück als den Idealen, die größtenteils zu verkrusteten Dogmen geworden waren, die leider allzu oft das Gegenteil von Liebe und Glück bewirkten.
Auch mir sagte in jungen Jahren ein Astrologe auf die Frage nach meiner Berufung: „Sie sind ein Priester ohne Gemeinde ohne Konvention, ohne Institution, ohne feste Sekte, wie die Kirche eine ist….“ Da gab es eine Parallele zwischen Bert und mir bei allen Unterschieden. Denn ich war den „Weg der Welt“ gegangen und hatte mich nach meiner asketischen Yogazeit und dem Besuch aller indischen Meister und Gurus, die ich finden konnte, danach in das volle Leben gestürzt mit „Frauen und Gold“ und natürlich mit Kindern deren ich heute von Sechsen der Vater bin und mit Familie. (Der Astrologe – obwohl seriös – hatte damals in meinem Horoskop keinerlei Kinder gesehen…merkwürdig).
Am Grab sitzend und meditierend, dachte ich: ‚Lieber Bert, Du hattest keine leiblichen Kinder aufgrund irgendwelcher Verstrickungen und hast Dich erst am Lebensende auf die Frauen eingelassen, aber andererseits hattest Du eintausend Kinder in Form von Schülern. Die leuchtend orangen Blüten („STUDENTENblumen!“) auf deinem Grab in der Farbe der indischen Swamis, die in einer Einweihung wie die Mönche allem Weltlichen entsagen. Und jede Blüte ist ein Schüler von Dir, der die Lehre richtig verstanden hat und richtig weitergibt über Deinen Tod hinaus. Und das Licht Deiner Lehre (im Nachnamen steckt das Wort „hell“) hat so vieler Menschen Leben erhellt, sie befreit und in der Seele der Heilung näher gebracht. Weltweit! Hellingers an die 300 Bücher wurden in 27 Sprachen übersetzt. Auch meine Berufung und Bestimmung ist es, im kleinen Rahmen, Licht zu geben – „Lucian“ mein Geburtsname heißt: „Der Leuchtende“ aus dem Lateinischen übersetzt (Lux, das Licht).
Und so saß ich Stunde um Stunde am Grab auch in den nächsten Tagen, hielt innere Zwiesprache, die Blumen verströmten ihren Duft, das ist das was von Dir bleibt lieber Bert, das geistige Werk, das so viele inspirierte, selbst diejenigen, die sich später von Deinen Lehren abgewendet haben oder sie verfälschten…Deine mutigen Methoden und Gedanken sind ein unermesslicher Schatz für die Menschheit. Für mich warst Du ein wahrer Heiliger. Ein authentischer Mensch, der heil ist und andere heil machte. Gleichzeitig bist Du demütig geblieben. Eine Kartoffel sei Dir lieber als ein Gourmetessen, in Deiner Garage stände eine 20 Jahre alte Limousine, die noch fährt und daher gut genug ist, schriebst Du in Deiner Autobiografie….demütig warst Du auch, indem Du Deiner letzten Frau Sophie erlaubtest, einiges in der Lehre zu erneuern, zu verändern und anzupassen, egal ob gut oder nicht, und demütig warst Du, weil Du bis zum Schluss ein Lernender warst, in Deiner Biografie schriebst Du, wie noch mit 90 Jahren ein altes Thema mit Deiner Mutter hochkam, die Du doch unmerklich in einem Aspekt noch nicht ganz genommen hattest und Du stimmtest zu, dass Deine Frau Dir eine Miniaufstellung im Wohnzimmer machte, um das zu lösen….Der Mensch Hellinger.
Auch nach dem Kloster hast Du die Disziplin behalten, um 5 Uhr morgens aufzustehen, mit über 90 Jahren immerhin noch um 6 Uhr: Danach hast Du bis 9 Uhr bis zum Frühstück Deine spirituellen Übungen gemacht lebenslänglich, um zentriert zu sein. Wie Du schriebst hast Du auch in der Meditation die meisten Erkenntnisse über die von Dir gefundenen „Ordnungen der Liebe“ gehabt. Diese innere Sammlung vermochtest Du authentisch und mit magischer Sicherheit auf jedem Seminar ausstrahlen, ganz gewiß ein Großteil Deines Erfolges.
Nicht nur das, auch vor dem Mittag- und Abendessen hast Du noch einmal jeweils eine Stunde meditiert und täglich in seminarfreien Zeiten noch viele Stunden am Schreibtisch gesessen und gearbeitet.
An Deinem Grab kam mir der Titel für mein nächstes neues Buch: „Mut zur Demut“ in dem es darum geht, wie man ganz praktisch sein Leben der göttlichen Führung übergibt, um immer perfekt im Flow zu sein, der inneren Stimme, der Intuition zu folgen. Ich habe über 10 Jahre kein Buch mehr herausgegeben, weil ich spürte, dass ich alles Wesentliche meiner Lehre in den 7 ersten Büchern bereits gesagt hatte, ich wollte keine Inflation betreiben.
Ich streute Rosenblätter am Grab, ich schenkte noch einen Strauß am zweiten Tag mit Sonnenblumen – fröhlich sah es aus und feierlich, auf dem Holzkreuz auf einem kleinen Aluminiumschild Dein Rufname ‚Bert Hellinger‘ von Suitbertus dem Klosternamen. Deine Eltern hatten Dich „Anton“ genannt. Der Name fast unsichtbar mit Bronze auf Silbergrund aufgedruckt, schlicht wie Du warst und hintergründig und doch so kraftvoll und in Deiner Zeit so machtvoll wirkend, wie niemand anderes in der Szene.
Ich verneigte mich am Grab mit der Stirn im grauen Kies, öffnete die Hände und bat um Deinen Segen. Vor allem bat ich, dass etwas von Deinem Geist in mich übergehe. Und ich bat darum, dass das Familienstellen mir weniger Schmerz und Anstrengung bereiten möge und ich in Deiner sicheren Leichtigkeit das anleiten könne…denn nach 25 Jahren Familienaufstellungsarbeit und über 1000 Aufstellungen verlangte mir diese Arbeit immer das Letzte ab…auch weil es mich an den Schmerz in meiner eigenen persönlichen Familiengeschichte erinnerte, erkannte ich plötzlich. Ich hatte schon mehrfach zuletzt überlegt, das für immer aufzuhören, auch wenn es meine größte Stärke war und ein Teil der tiefsten Arbeit, die ich tat.
Jetzt kann ich leicht und fröhlich diese Arbeit tun, das wusste ich und das spürte ich….
In Deiner unendlichen Güte und Freundlichkeit gabst Du mir den Segen – wie damals schon auf einem Kongress wo ich Dich im persönlichen Vier-Augen-Gespräch fragte, ob ich das Familienstellen für andere Menschen weitergeben solle, ob ich reif dafür sei….und Du mir den Schubs gabst zu starten.
So darf ich leuchten und duften wie die Tagetesblumen auf Deinem Grab, die so fröhlich aussehen und mit ihrem Duft die Bienen und Insekten und Schmetterlinge anziehen.
An Dein Holzkreuz hatte jemand an einem Lederband einen kleinen Keramik-Vogel gehängt…. Ja jetzt kannst Du fliegen Bert, ohne die Hindernisse der Materie und Welt. Fliege!
Die vier Tage bei Dir – die Wallfahrt zu Deinem Grab – fühlte sich an wie ein Seminar bei Dir, wo ich nochmal so viel lernen durfte, gemeinsam mit dem Studium Deines letzten Buches: der Autobiografie von Leben und Werk. Dazu war Deine physische Gegenwart in keiner Weise nötig, auf die Gesinnung, die Einstellung kommt es an, auf die Offenheit und Ehrung beim Lernen….auf die innere Empfänglichkeit.
Der letzte Tag bei Dir – so wollte es das Schicksal, war genau Dein Todestag vor zwei Jahren und gleichzeitig in der katholischen Gemeinde Wals der Ernte-Dank-Fest-Sonntag!
Die ganze Gemeinde hatte sich versammelt, die Frauen in Dirndl und die Männer in Lederhosen, traditionell geschmückte Soldaten mit Eichblättern auf dem Hut und ein Blasorchester waren open air zu einem Freiluft-Gottesdienst auf dem Kirchplatz zusammen gekommen, genau an Deinem Todestag. Wunderbare Blumen und herrliche Früchte waren von den umliegenden Feldern zauberhaft schön am Altar drapiert, 20 Meter hinter Deinem Grab auf dem Kirchplatz und sie feierten Erntedank. Wahrlich, wenn man Dein Werk betrachtet, können wir heute von Deiner Arbeit so unendlich viel ernten! Jeder auf seine Weise.
Am Grab sitzend, sinnte ich nach in Stille…wer warst Du und was ist das Wesentliche, die Essenz Deiner Lebensleistung für die Menschheit?
Du warst, lebenslang ein Priester im Herzen und wolltest den Himmel auf die Erde bringen und den Menschen helfen. Das ganz Besondere war, dass du den „Gottesdienst“ und die Botschaft der Bibel und von Jesus in eine Sprache gebracht hast und in eine Form mit Deinem Ritual des Familienstellens und den Geschichten, dem wir modernen Menschen uns öffnen können und die wir verstehen! Es ist die Sprache der Psychotherapie in Einfachheit ohne Schnörkel, ohne akademische Fachworte der Ärzte und Psychoanalytiker. Einfachheit und Verständnis in der Sprache waren Dir immer wichtig. Das Wort ‚Gott‘ hast Du fast nicht mehr gebraucht und doch blieb es als „Geist“ immer Zentrum Deiner Lehre nur anders verpackt als die Kirche es tut; und daher zeitgemäss und menschlich. Insofern warst Du ein großer Reformator, der den alten Wein in neue Schläuche gegossen hat und ein Pionier in Deiner Zeit, geboren immerhin 1925 ähnlich meinem Vater. Das war ungeheuer mutig von Dir.
Du hast der Psychotherapie das gebracht, was ihr fehlt: das Spirituelle, den Bezug zum Göttlichen. Ohne das wird jede – auch die beste Therapie irgendwann zur Sackgasse, denn irgendwann müssen wir über die Bedingtheit des Egos und unserer Vergangenheit hinausgehen und uns einer größeren Macht öffnen für unsere innere Gesundung. Und andererseits hast Du auch der Kirche und dem Christen-Sein etwas gebracht, was dort fehlte: die Beziehung zur Erde, die VERBINDUNG von spirituell und alltäglich, und so erdet die Familienaufstellung und bringt die göttliche Botschaft in den Alltag und in die täglichen Routinen, die oft so materialistisch und sinn-entleert sind.
Lieber Bert, Dich und mich trennen fast 40 Jahre im Alter, drei 3 Generationen und so ist meine Sprache und meine Rituale des „Tantra“ – wieder den modernen Menschen und der Zeitströmung angepasst, damit die einzige Lehre verstanden wird.
Du warst stark – all die Anfeindungen die es vermehrt gab, als Dein „Welterfolg“ mit über 60 Jahren startete, all die Neider, die Deinen Erfolg nicht aushalten konnten und die die absurdesten Beschuldigungen konstruiert haben, hast Du einfach ignoriert, um all Deine Energie auf Deine Arbeit zu konzentrieren und möglichst vielen Menschen zu helfen.
Wie weise. Ich konnte und kann so viel von Dir lernen. Du hattest alle Erscheinungen und Eigenschaften eines indischen Erleuchteten, das ist kulturübergreifend und unabhängig von der Glaubensform und Zeit.
Dem heißen Eisen der Frauen und Sexualität hast Du Dich erst spät im Leben ausgeliefert – weil auch das zu Deiner Erfahrungsfülle und Deinem Reichtum beitragen sollte. So warst Du der „Narziß“, der noch im Alter zum „Goldmund“ wurde, um mit den Worten von Hermann Hesses Roman zu sprechen. Ich bin eher der Goldmund – und Tantra bedeutet, in der Welt zu leben und in die Versuchungen bewusst reinzugehen anstatt sich ihrer zu enthalten – mit dem gleichen Ziel, Gotterkenntnis, Erleuchtung, höchster Frieden und um die höchste Seligkeit zu erlangen.
Bevor ich ging am Erntedank-Sonntag dankte ich Dir. Ich danke für so Vieles, auch dafür, dass Du mich hast hinknien lassen in meiner eigenen Aufstellung bei Dir als Scheidungskind und die Harmonie meiner Eltern vor der Scheidung mich hast verinnerlichen lassen, bevor ich also ging bat ich noch um den Abschluss-Segen und DIE Botschaft an mich als Essenz meines Besuches an Deinem Grab….
Du gabst die Botschaft nach einiger Zeit und es war keine, die von Dir kommt, – nur durch Dich, vom universellen großen Geist – und intuitiv perfekt passte sie genau für mich persönlich:
Sei!

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Nachruf an Bert Hellinger in Dank, Ehre und Liebe

Erst jetzt habe ich erfahren, dass Bert Hellinger vor zwei Jahren im September (19.9.2019) verstorben ist. Das hat mich tief berührt und ich habe geweint, obwohl ich mit der Szene viele Jahre nicht mehr in Kontakt war. Bert Hellinger, der Begründer der modernen Familien-Aufstellungs-Methode „Phänomenologische Psychotherapie“ gehörte und gehört zu meinen wichtigsten Lehrern. Neben meinem Vater, Hermann Hesse und Ramakrishna habe ich von keinem so viel lernen dürfen, was mein Leben und Lehren tiefgreifend positiv verändert hat. Seit vielen Jahren arbeite ich mit seiner Methode, die ich in den 1990er Jahren bei ihm persönlich auf einigen Seminaren lernen durfte.
Was war und ist das Besondere für mich an Hellinger und seiner Methode?
Er hat die ganzheitliche Sichtweise und echte Werte wieder eingeführt in die Psychotherapie. Genau das verbindet mich mit ihm, denn die Ganzheitlichkeit ist für mich die Wurzel des Tantra. Körper-Seele-Geist sind eine Einheit und gehören zusammen.
Warum ich im Tantra mit Familienaufstellungen arbeite als einem Element von Vielen, werde ich manchmal gefragt:
- Weil die Lehre des Aufstellens davon ausgeht, dass alle miteinander verbunden sind und man nicht nur auf das Individuum schauen sollte.
Genau das ist auch die Weltanschauung des Tantra: Alles Leben ist eins. Das Wort Tantra kommt von „Weben“, und impliziert, dass wie in einem Teppich alle Fäden miteinander verwoben sind. Alle sind eins. Deshalb hat weder Feindseligkeit noch Angriff einen Platz im Tantra. Und deshalb ist die Lösung immer Vergebung = Liebe.
- Weil es beim Familienaufstellen – wie im Tantra – darum geht, die Liebe wieder in Fluss zu bringen, wo sie gehemmt oder unterbrochen wurde. Jede Lösung in menschlichen Konflikten kann nur durch Liebe geschehen. So hat Hellinger – ursprünglich ein Mann aus der Kirche – die christliche Nächstenliebe in eine neuere Sprache übertragen und mit seiner Methode auf die Erde gebracht für moderne Menschen von heute. Genau das will Tantra ebenso.
- Weil durch das Familienstellen im Tantra eine Verbindung geschaffen wird – vom Hochenergie-Ereignis eines Tantra-Seminars am Wochenende zum normalen Alltag mit Familie, Beruf, Arbeit und den alltäglichen Routinen. Der Tantriker will nicht nur manchmal Gipfelerlebnisse erleben in der Gruppe auf einem Seminar oder in einer Ausbildung, sondern er möchte sein ganzes Leben verwandeln – auch im Alltag zu mehr Glück. Dies kann er auch durch das Beachten der „Ordnungen der Liebe“ die Hellinger so klar beschrieben hat. Und jeder sollte eine Aufstellung mindestens einmal im Leben gemacht haben, um in der Familie aufzuräumen. Erst dann sind Vergangenheit und Familie keine Fesseln mehr, sondern eine gute Schubkraft nach vorne!
Wie habe ich Bert Hellinger damals erlebt auf den Seminaren? Ein Geistes-Riese, der eine tiefe Schau des Unsichtbaren hatte (und damit beschäftigt sich nun mal die Psychotherapie) wie ich es noch nie zuvor bei einem Menschen erlebt hatte. Dazu hatte er große Klarheit und Führungskraft. Das war bei ihm gepaart mit hintergründigem Humor und einer besonderen Milde für Menschen, dem tiefen Wunsch wirklich und effektiv zu heilen und zu helfen. Außerdem gehörte für mich zu Hellingers Stärken ebenso eine taktische Cleverness, welche durch Konfrontation, Provokation, Verwirrung und Ablenkung durch Geschichten, geschickt die Egos der Menschen umschiffte, die an ihren Problemen festhalten wollten, anstatt die Lösung zu manifestieren.
Alles was er sprach, war druckreif und so sind aus seinen Seminaren auch seine Bücher entstanden, als Mitschriften. Diese geistige Größe hat er sicher auch seiner guten Ausbildung im Kloster zu verdanken, wo er Disziplin und geistige Unterscheidungskraft lernte. Und er hat wieder echte Werte vermittelt – nach vielen Jahren – ‚Macht-doch-was-ihr-wollt-Pädagogik‘. Danach bestand bei uns Zeitgenossen ein großer Hunger – er kam zur richtigen Zeit mit der richtigen Methode und es gab einen unvorstellbaren Boom. So wurde aus mir, einem langhaarigen Yoga-Freak und Guru-Pilger – ein geordneter Familienmensch mit kurzen Haaren und Anerkennung von zwar bürgerlichen aber trotzdem größtenteils richtigen seelischen Gesetzen. Anstatt zu Gurus zu reisen in alle Welt, schaute ich vor der eigenen Haustüre, um meinen Eltern die Ehre zu erweisen und meine Wurzeln zu würdigen.
Was bleibt mir in Erinnerung aus persönlichen Gesprächen mit Bert Hellinger den ich auf dem Seminar in den Pausen aufsuchte, um unter vier Augen Fragen zu stellen?
Das sind zwei Erinnerungen:
Zum einen, dass er auf meine Frage hin, ob ich mit dem Aufstellen anfangen solle, antwortete: „Ja Lucian, Du hast die Methode gut verstanden, fange damit an aufzustellen und es weiterzugeben.“
Zum Zweiten, der Ausspruch eher unter vorgehaltener Hand, „Hausfrauen mit Kindern haben oft ein besseres Gespür für die Familienaufstellungen und die Fähigkeit dazu, als Psychoanalytiker und Ärzte, die den Kopf voll Wissen haben und daher keinen Zugang mehr zur Intuition!“
Das war auch meine Erfahrung bis heute: Familienaufstellen – beruht auf etwas Wissen um die Grundlagen und beruht natürlich auch auf Erfahrung über die Jahre, doch das Wesentliche ist die Intuition, wie in der Kunst – wenn ich ein Bild male.
Was bleibt von Hellinger?
Die Rettung von wertvoller Tradition – nicht als Verwahrung der Asche, sondern als Weitergabe des Feuers!“
Lieber Bert, ruhe in Freude und Frieden. Ich trage Dein Erbe weiter, solange ich laufen kann!