Nachruf an Bert Hellinger in Dank, Ehre und Liebe

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Erst jetzt habe ich erfahren, dass Bert Hellinger vor zwei Jahren im September (19.9.2019) verstorben ist. Das hat mich tief berührt und ich habe geweint, obwohl ich mit der Szene viele Jahre nicht mehr in Kontakt war. Bert Hellinger, der Begründer der modernen Familien-Aufstellungs-Methode „Phänomenologische Psychotherapie“ gehörte und gehört zu meinen wichtigsten Lehrern. Neben meinem Vater, Hermann Hesse und Ramakrishna habe ich von keinem so viel lernen dürfen, was mein Leben und Lehren tiefgreifend positiv verändert hat. Seit vielen Jahren arbeite ich mit seiner Methode, die ich in den 1990er Jahren bei ihm persönlich auf einigen Seminaren lernen durfte.

Was war und ist das Besondere für mich an Hellinger und seiner Methode?

Er hat die ganzheitliche Sichtweise und echte Werte wieder eingeführt in die Psychotherapie. Genau das verbindet mich mit ihm, denn die Ganzheitlichkeit ist für mich die Wurzel des Tantra. Körper-Seele-Geist sind eine Einheit und gehören zusammen.

Warum ich im Tantra mit Familienaufstellungen arbeite als einem Element von Vielen, werde ich manchmal gefragt:

  • Weil die Lehre des Aufstellens davon ausgeht, dass alle miteinander verbunden sind und man nicht nur auf das Individuum schauen sollte.

Genau das ist auch die Weltanschauung des Tantra: Alles Leben ist eins. Das Wort Tantra kommt von „Weben“, und impliziert, dass wie in einem Teppich alle Fäden miteinander verwoben sind. Alle sind eins. Deshalb hat weder Feindseligkeit noch Angriff einen Platz im Tantra. Und deshalb ist die Lösung immer Vergebung = Liebe.

  • Weil es beim Familienaufstellen – wie im Tantra – darum geht, die Liebe wieder in Fluss zu bringen, wo sie gehemmt oder unterbrochen wurde. Jede Lösung in menschlichen Konflikten kann nur durch Liebe geschehen. So hat Hellinger – ursprünglich ein Mann aus der Kirche – die christliche Nächstenliebe in eine neuere Sprache übertragen und mit seiner Methode auf die Erde gebracht für moderne Menschen von heute. Genau das will Tantra ebenso.
  • Weil durch das Familienstellen im Tantra eine Verbindung geschaffen wird – vom Hochenergie-Ereignis eines Tantra-Seminars am Wochenende zum normalen Alltag mit Familie, Beruf, Arbeit und den alltäglichen Routinen. Der Tantriker will nicht nur manchmal Gipfelerlebnisse erleben in der Gruppe auf einem Seminar oder in einer Ausbildung, sondern er möchte sein ganzes Leben verwandeln – auch im Alltag zu mehr Glück. Dies kann er auch durch das Beachten der „Ordnungen der Liebe“ die Hellinger so klar beschrieben hat. Und jeder sollte eine Aufstellung mindestens einmal im Leben gemacht haben, um in der Familie aufzuräumen. Erst dann sind Vergangenheit und Familie keine Fesseln mehr, sondern eine gute Schubkraft nach vorne!

Wie habe ich Bert Hellinger damals erlebt auf den Seminaren? Ein Geistes-Riese, der eine tiefe Schau des Unsichtbaren hatte (und damit beschäftigt sich nun mal die Psychotherapie) wie ich es noch nie zuvor bei einem Menschen erlebt hatte. Dazu hatte er große Klarheit und Führungskraft. Das war bei ihm gepaart mit hintergründigem Humor und einer besonderen Milde für Menschen, dem tiefen Wunsch wirklich und effektiv zu heilen und zu helfen. Außerdem gehörte für mich zu Hellingers Stärken ebenso eine taktische Cleverness, welche  durch Konfrontation, Provokation, Verwirrung und Ablenkung durch Geschichten, geschickt die Egos der Menschen umschiffte, die an ihren Problemen festhalten wollten,  anstatt die Lösung zu manifestieren.

 Alles was er sprach, war druckreif und so sind aus seinen Seminaren auch seine Bücher entstanden, als Mitschriften. Diese geistige Größe hat er sicher auch seiner guten Ausbildung im Kloster zu verdanken, wo er Disziplin und geistige Unterscheidungskraft lernte. Und er hat wieder echte Werte vermittelt – nach vielen Jahren – ‚Macht-doch-was-ihr-wollt-Pädagogik‘. Danach bestand bei uns Zeitgenossen ein großer Hunger – er kam zur richtigen Zeit mit der richtigen Methode und es gab einen unvorstellbaren Boom. So wurde aus mir, einem langhaarigen Yoga-Freak und Guru-Pilger – ein geordneter Familienmensch mit kurzen Haaren und Anerkennung von zwar bürgerlichen aber trotzdem größtenteils richtigen seelischen Gesetzen. Anstatt zu Gurus zu reisen in alle Welt, schaute ich vor der eigenen Haustüre, um meinen Eltern die Ehre zu erweisen und meine Wurzeln zu würdigen.

Was bleibt mir in Erinnerung aus persönlichen Gesprächen mit Bert Hellinger den ich auf dem Seminar in den Pausen aufsuchte, um unter vier Augen Fragen zu stellen?

Das sind zwei Erinnerungen:

Zum einen, dass er auf meine Frage hin, ob ich mit dem Aufstellen anfangen solle, antwortete: „Ja Lucian, Du hast die Methode gut verstanden, fange damit an aufzustellen und es weiterzugeben.“

Zum Zweiten, der Ausspruch eher unter vorgehaltener Hand, „Hausfrauen mit Kindern haben oft ein besseres Gespür für die Familienaufstellungen und die Fähigkeit dazu, als Psychoanalytiker und Ärzte, die den Kopf voll Wissen haben und daher keinen Zugang mehr zur Intuition!“

Das war auch meine Erfahrung bis heute: Familienaufstellen – beruht auf etwas Wissen um die Grundlagen und beruht natürlich auch auf Erfahrung über die Jahre, doch das Wesentliche ist die Intuition, wie in der Kunst – wenn ich ein Bild male.

Was bleibt von Hellinger?

Die Rettung von wertvoller Tradition – nicht als Verwahrung der Asche, sondern als Weitergabe des Feuers!“

Lieber Bert, ruhe in Freude und Frieden. Ich trage Dein Erbe weiter, solange ich laufen kann!

 

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